Tourismus nach Corona- Perspektiven für Freiburg und den Schwarzwald

 

Die Tourismuswirtschaft ist einer der ganz großen Wirtschaftsfaktoren in Baden-Württemberg und in Freiburg und dem Schwarzwald besonders stark. Viele Betriebe und Gemeinden sind hier seit Jahren aktiv, innovativ und haben vieles auf den Weg gebracht. Corona belastet die ganze Branche sehr stark und bringt viele in existentielle Not, die durch Coronahilfen nur teilweise aufgefangen werden kann. Ich hoffe sehr, dass die Pandemiebekämpfung bald und nachhaltig greift und wir in eine Zeit nach Corona blicken können.

Was Freiburg betrifft, sehe ich ein relativ problemloses Wiedererstarken nach Corona. Freiburg ist sowohl als Tagungsort mit entsprechenden Übernachtungszahlen, wie auch im Städtetourismus ein überaus gesuchtes Urlaubsziel. Dies wird mit Wiedereröffnung der kulturellen Institutionen wie Museen, Theater, etc, des Einzelhandels, der Gastronomie und Hotellerie sich nach meiner Einschätzung schnell erholen können – vorausgesetzt die Coronapandemie lässt sich dauerhaft und wirksam zurückdrängen. Hier wünsche ich mir allenfalls eine noch stärkere Vernetzung der Dreiländerregion, auch kann der Ausbau des grenzüberschreitenden Nahverkehrs hier noch eine Steigerung der Attraktivität für längere Aufenthalte bewirken. Auch eine Verstärkung des Tourismus bezogen auf den Weinbau und die Biomodellregion kann sicher noch zusätzliche Märkte im Bereich Genussurlaub erschließen.

 

Ein anderes Thema ist der Schwarzwald. Hier steht uns meines Erachtens aufgrund des nicht mehr zu verleugnenden Klimawandels ein insgesamt größerer Wandel bevor, den es positiv zu gestalten gilt.

Der Wintersport kann nicht dauerhaft die derzeitige zentrale Rolle behalten – hiergegen sprechen alle Klimagutachten, hinzu kommt die Wasserproblematik und die schwierigen Auswirkungen auf Natur. Dem gilt es jetzt bereits planerisch zu begegnen. Aus einer Sicht macht ein Ausbau der Wintersporteinrichtungen keinen Sinn sondern führt zu langfristigen finanziellen Verpflichtungen und dem Druck mit immer mehr technischem Einsatz und höheren Kosten eine Schneesicherheit zu gewähren, die dann aber oft durch die stärker werdenden Windereignisse ad absurdum geführt wird, wenn die Lifte deshalb nicht laufen können. Ein Weiterlaufen des bisherigen Bestandes ist als Übergangslösung denkbar, muss aber gleichfalls immer wieder auf Sinnhaftigkeit geprüft werden, abhängig von der Entwicklung der kommenden Jahre.

Parallel dazu müssen wir die anderen Sektoren stärken – nachhaltiger Tourismus im Inland ist eine positiv besetzte und sehr starke Tourismusalternative. Die Pandemielage aber auch die globale Sicherheitslage hat in den letzten Jahren immer mehr gezeigt, dass für viele Menschen ein Inlandsurlaub eine gern genutzte Alternative darstellt. Auch hat sich der Schwarzwald als Familien- und Sportdestination abseits vom Winter als sehr interessantes Gebiet gezeigt.

Hier gibt es in meinen Augen mehrere Ansatzpunkte:

  • Ausbau der Radinfrastruktur für „Alltagsradler*innen“ – durch E-Bike ist der Schwarzwald auch für die Allgemeinheit als Fahrradumgebung interessant geworden. Eine dementsprechende Radinfrastruktur (Radwegenetz, sichere Radabstellplätze, Verleihstationen gibt es jedoch noch nicht in der Breite) Dies gilt es auszubauen und auch für Radwanderer entsprechende Infrastruktur – (Touren, Gepäcktransport, Fernradwege) weiterzuentwickeln.
  • Der stark angestiegene Wohnmobiltourismus führt zu neuen Märkten, aber auch zu Belastungen durch Wildparker etc. Dies gilt es zu regeln und attraktive Möglichkeiten zu schaffen. Neben dem klassischen Campingplatz wäre es in meinen Augen sinnvoll, nicht auf Großprojekte zu setzen, sondern eher eine dezentrale Versorgungsstruktur gekoppelt an Landwirtschaftsbetriebe zu entwickeln – dies gäbe eine verträglichere Verteilung und zudem ein weiteres wirtschaftliches Standbein für die Höfe.
  • Der Genusstourismus mit Gastrobezug und regionalen Spezialitäten kann in der Qualität auch weiterentwickelt und ausgebaut werden. Die Naturparkwirte und regionalen Märkte sind hier bereits Vorreiter, aber es ist noch ausbaufähig.
  • Ein Segment, das früher deutlich mehr genutzt wurde, waren Zeltmöglichkeiten für Jugendgruppen. Hier ist einiges geschlossen worden. Meines Erachtens sollten auch hier neuer Anlauf genommen werden, gerne verbunden mit naturpädagogischen Angeboten, die ggf zugebucht werden können. Das Haus der Natur macht ja auf dem Feldberg schon viel mit Angeboten wie dem Junior Ranger etc. Vergleichbares kann ich mir auch an anderer Stelle vorstellen. Damit wird der Schwarzwald früh entdeckt und vielleicht auch später als Urlaubsziel gewählt.
  • Wandern ist weiter naturnahe Trendsportart in vielen Generationen. Hier ist schon viel gemacht worden mit neuen Touren und Ideen. Es muss aber abgesichert werden, dass die Infrastruktur hierfür gepflegt und erhalten wird. Der Schwarzwaldverein und andere Ehrenamtliche, die hier seit Jahrzehnten verdienstvolle Arbeit leisten, haben Nachwuchsprobleme bei der Wegearbeit. Hier muss man sehen, wie man unterstützen kann, damit das Wegenetz weiterhin gefördert und bestehen bleibt.
  • Was den Einwohner*innen gut tut, hilft auch dem Tourismus. Wir müssen die gute dezentrale Infrastruktur in der Fläche erhalten und ausbauen. Digitalisierung, gut ausgebauter ÖPNV, Einkaufsmöglichkeiten, Behörden und Schulen in gut erreichbarer Nähe, Förderung regionaler Produkte und Landwirtschaft, gute Wasserplanung machen die Wohnorte im Schwarzwald attraktiv und damit ein Lebensort auch für die im Tourismus notwendigen Fachkräfte.

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