Abgeordnetenbrief: Neubau einer Tagesklinik für Kinder und Jugendliche mit psychischer Erkrankung in Freiburg

 

Gemeinsam mit meinen Grünen Kolleg*innen Nadyne Saint-Cast und Alexander Schoch habe ich einen Abgeordnetenbrief an das Sozialministerium und das Wissenschaftsministerium geschrieben. Wir bitten darin um eine Baukostenfinanzierung für eine Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychatrie des Uniklinikums Freiburgs durch das Land. Hier der Brief im Wortlaut:

 

Sehr geehrter Herr Minister Lucha, lieber Manne,
Sehr geehrte Frau Ministerin Bauer, liebe Theresia,

wir wenden uns an Sie, um für den Neubau einer speziellen Tagesklinik für Kinder und Jugendliche mit psychischer Erkrankung und zusätzlicher Behinderung zu werben.
In der Region Freiburg gibt es keine tagesklinische Versorgung für Kinder und Jugendliche mit psychischer Erkrankung und zusätzlicher Behinderung, d.h. kognitiven Einschränkungen oder neuronaler Entwicklungsstörung. Diese Patientinnen und Patienten müssen derzeit an den Standorten größerer Behinderteneinrichtungen, wie z.B. bei der Stiftung Liebenau in Meckenbeuren in Oberschwaben versorgt werden.

Diese mangelnde kinder- und jugendpsychiatrische Sonderversorgung verschärft sich dadurch, dass die Region Südbaden mit 4,5 Betten auf 100.000 Einwohner*innen bereits bei der Regelversorgung von psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen unterversorgt ist. Südbaden befindet sich damit bei der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung im unteren Drittel in Baden-Württemberg. Das führt dazu, dass die Wartezeiten lang sind und häufig nur akute Notfälle aufgenommen werden können.
Die Corona-Pandemie hat diese Mangelversorgung weiter verschärft. Bereits im ersten Halbjahr 2021 verzeichnete die Kinder- und Jugendpsychiatrie Freiburg 30 % mehr Fälle, als im gesamten Jahr 2020. Daher können aktuell nur akute, suizidale Fälle aufgenommen werden. Andere Therapien müssen verschoben werden, worunter die Kinder und Jugendlichen leiden und was zu hohen sozialen Folgekosten führt. Das ist für uns nicht hinnehmbar. Denn auch hier gilt: Auf den Anfang kommt es an. Je früher und je schneller wir den Kindern und Jugendlichen helfen, desto besser ist der Behandlungs- und Therapieerfolg.

Kinder und Jugendliche brauchen nicht nur eine schnelle, sondern auch eine wohnortnahe Versorgung. Denn Eltern und Freund*innen sowie die Re-Integration in das schulische Umfeld sind enorm wichtig für den Therapieerfolg. Für Kinder und Jugendliche mit psychischer Erkrankung und zusätzlicher Behinderung existiert diese wohnortnahe Versorgung hier in Südbaden aktuell wie gesagt nicht.
Das Universitätsklinikum Freiburg hat nun ein Konzept zur Deckung dieses offenen Versorgungsbedarfes entwickelt. Dieses sieht den Bau einer speziellen Tagesklinik mit 12 Behandlungsplätzen vor. Die Tagesklinik soll als Teil der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter am Universitätsklinikum Freiburg betrieben werden. Der Betrieb, also die laufenden Kosten können vom Uniklinikum Freiburg getragen werden.

Den Neubau der Tagesklinik kann das Universitätsklinikum Freiburg jedoch nicht finanzieren. Hierfür benötigt das Universitätsklinikum Freiburg eine Baukostenfinanzierung vom Land.
Die Kosten des Bauvorhabens betragen ca. 5 Mio. Euro. Sowohl das Grundstück als auch die Planungen für das Gebäude liegen vor. Der Neubau könnte auf dem Gelände der Kinder- und Jugendpsychiatrie Freiburg realisiert werden. Mit dem Universitätsklinikum Freiburg als Bauträger kann das Bauvorhaben schnell realisiert werden.

Sehr geehrter Herr Minister Lucha, sehr geehrte Frau Ministerin Bauer, im Interesse der Kinder und Jugendlichen bitten wir Sie, den Bau einer speziellen Tagesklinik für Kinder und Jugendliche mit psychischer Erkrankung und zusätzlicher Behinderung in Südbaden zu unterstützen und zu ermöglichen.
Über Ihre wohlwollende Prüfung bedanken wir uns im Voraus und verbleiben
mit freundlichen Grüßen

Nadyne Saint-Cast MdL     Daniela Evers MdL      Alexander Schoch MdL

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